Referate und Seminarhausarbeiten

In Referaten und Seminarhausarbeiten setzen sich Studierende mit einer wissenschaftlichen Fragestellung auseinander. Verschiedene Formen (mündlicher Vortrag, Arbeitspapier bei Referaten, schriftliche Fassungen etc.) erfordern unterschiedliche Arten der Vorbereitung und Durchführung.

Grundsätzliches zu Referaten und Seminarhausarbeiten

Der Zweck von Referaten und Seminarhausarbeiten besteht in der wissenschaftlichen Bearbeitung eines Themas. Ein Thema setzt sich aus dem gewählten Gegenstand (Inhalt) und einer selbst formulierten Fragestellung zusammen. Die wissenschaftliche Arbeit erschöpft sich also nicht in der Zusammenfassung der Literatur, sondern zeichnet sich durch eine besondere Herangehensweise, eine spezifische Problemstellung aus. Hat man eine Fragestellung formuliert, so kann die wissenschaftliche Literatur unter genau diesem Blickwinkel studiert werden. Das Thema einer Arbeit verbindet demnach einen wissenschaftlichen Gegenstand mit einer bestimmten Fragestellung. Folgende Beispiele sollen dies erläutern:

  • Welche grammatikalischen Mittel stehen einem Sprecher aus dem Blickwinkel des Sprachsystems zur Auswahl, wenn er seine Aussagen und Sprachhandlungen qualifizieren bzw. modal abstufen möchte?

  • Welchen spezifisch sprachwissenschaftlichen Beitrag leistet eine linguistisch orientierte Sprachkritik zu Fragen der Angemessenheit sprachlicher Ausdrücke bzw. Formulierungen?

  • Welche Konzepte für die Analyse von Gesprächen werden in der Linguistik diskutiert, und welche Relevanz haben sie für den Sprachunterricht?

  • Wie lässt sich der aktuelle Forschungsstand zu Lese-Rechtschreibschwierigkeiten (LRS) skizzieren, und welche Handlungsempfehlungen lassen sich daraus ableiten?

Für die Bearbeitung eines Themas steht eine Reihe unterschiedlicher wissenschaftlicher Methoden zur Verfügung, die von der Aufarbeitung bestehender Arbeiten bis zur Durchführung eigener Untersuchungen reichen. Die Themenbearbeitung im Rahmen von Referaten konzentriert sich in der Regel auf die Auseinandersetzung mit einigen wichtigen Veröffentlichungen und der adäquaten Aufbereitung für die spezifische Zielgruppe (Adressaten) der Kommilitonen. In der anschließend zu verfassenden Seminarhausarbeit sollen die Anregungen der Seminardiskussion eingearbeitet werden.

Der Sinn solcher Arbeiten besteht darin, dass Studierende bei der Planung der Themenstellung (Formulierung der Fragestellung), bei der Auswahl der relevanten Gesichtspunkte und bei der Anordnung des Inhalts und der Darstellung der Ergebnisse ihr eigenes Urteilsvermögen schärfen und einen Blick für das Wesentliche einer selbst gestellten Aufgabe entwickeln. Dabei stehen insbesondere Abstraktionsprozesse im Vordergrund, das heißt: es gilt von Einzelbeispielen, vom Besonderen das Allgemeine zu entnehmen und umgekehrt - von der Verallgemeinerung ausgehend das Besondere zu untersuchen. Bei Abstraktionsprozessen wird versucht zu erklären, wie man z. B. von singulären Tatsachen wie "grüner Apfel", "grüne Birke" usw. zu dem abstrakten Farbbegriff "grün" gelangen kann. Hat man einen abstrakten Begriff geformt - in unserem Beispiel der Farbbegriff "grün" -, so kann dieser auf einzelne Phänomene hin überprüft werden (z. B. fällt eine Eigenschaft des Gegenstandes Birne in die Abstraktionskategorie, den Farbbegriff "grün"). Damit ist ein Grundprinzip wissenschaftlichen Arbeitens und Denkens umschrieben. Grundvoraussetzung für diese Arbeitsform ist die möglichst präzise sprachliche Darstellung der Sachverhalte und die Beherrschung der wissenschaftlichen Termini.

Vortragen von Referaten

Das Vortragsmanuskript des Referenten oder der Referentin entspricht weder der beim Referat ausgegebenen Tischvorlage, noch der schriftlichen Ausarbeitung eines Referats, der sog. Seminarhausarbeit. Vielmehr ist ein ausführliches Stichwortverzeichnis (maximal Halbsätze) das beste Redemanuskript für das frei zu haltende Referat, um flexibel auf die Reaktionen und Vorkenntnisse der KommilitonInnen sowie deren Verstehensprozesse reagieren zu können. Nur wer Sachverhalte mit eigenen Worten wiedergeben kann (ohne das stereotype Ablesen von vorgefertigten Sätzen), hat die Zusammenhänge tatsächlich verstanden! Wörtliche Zitate längeren Ausmaßes aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen sind daher beim Referieren die Ausnahme.

Folgende Aspekte sollten berücksichtigt werden:

  • Das Vortragsmanuskript ist ein Hilfsmittel, eine spezielle Gedächtnisstütze für die Referentin oder den Referenten und wird daher gesondert angefertigt.

  • Die Gliederung des Referats muss während des Vortrags für das Auditorium klar erkennbar sein und zu Beginn der Ausführungen explizit vorgestellt werden.

  • Thema und Fragestellung des gesamten Referats und von einzelnen Abschnitten gilt es ebenfalls deutlich vorzustellen, am Ende von Abschnitten kann eine kurze Zusammenfassung folgen. Als abschließendes Resümee sollte nochmals die Ausgangsfragestellung formuliert und daraufhin - so weit wie möglich - eine Antwort versucht werden.

  • ReferentInnen sollten in Blickkontakt mit den Zuhörern stehen (keine Blickfixierung auf das Manuskript), so dass gegebenenfalls bei "stirnrunzelnden" Gesichtern ein erneuter Erklärungsversuch mit anderen Worten gestartet werden kann.

  • Fragen und Erläuterungen aus dem Auditorium (ob von Studierenden oder Dozenten) müssen kein Indiz für ein schlechtes Referat sein. Da sie in aller Regel von Interesse für die Sache zeugen, sind sie kein Grund zur Verunsicherung! Wer sich gut vorbereitet hat, braucht nicht aufgeregt sein.

  • Das Referat sollte ruhig und nicht zu schnell vorgetragen werden. Sprechpausen des Referenten sind Denkpausen für die ZuhörerInnen! Gleichzeitig können kleinere Pausen der inneren Gliederung des Vortrags dienen sowie zur Entspannung der Zuhörerschaft und zur geistigen Verarbeitung des Gehörten beitragen.

  • Zusätzlich gehören Folien (z. B. Schaubilder, Tabellen etc.) und/oder eine computer­gestützte Präsentation sowie die Tafel und natürlich die Tischvorlage zu einem Referat. Sie stellen Verstehenshilfen und im Nachhinein Erinnerungshilfen dar und sollen sich gegenseitig ergänzen. Der Wechsel von Medien (Overheadprojektor, Tafel, Kassetten­rekorder, Videogerät, Beamer für PC-Präsentationen etc.) erleichtert das Verständnis.

  • Der Schluss fasst das Wichtigste zusammen (evtl. in Form von Thesen) und schlägt den Bogen zur Ausgangsfragestellung.

Formalia beim Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten

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Letzte Änderung: 14.10.2016
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